Die Nacht von www.greekmidi.com

Virtueller Rundgang in Athen
Teil 6

Frieden im Kerameikos



Kerameikos
"Kerameikos-Gelände"
Beim Kerameikos angekommen wirst Du eine wohltuende Ruhe vorfinden, denn hier verirren sich die wenigsten Touristen obwohl der Ort wirklich grosse Einblicke in die klassische Vergangenheit der Stadt bietet. Bereits von aussen hast Du die beste Übersicht über das ganze Gelände und kannst Du Dir ein Bild von der Befestigung der Stadt und deren Mauer machen. Und da die Toten nicht innerhalb der Stadt begraben werden durften, hat man sie hier direkt vor den Toren der Stadt bestattet, was ja auch einem gewissen Repräsentations-Bedürfnis der Wohlhabenden entsprach! Immerhin an dieser Stelle kamen im Abstand von kaum 60 m voneinander zwei der bedeutendsten Strassen nach Athen zusammen; einmal die Panathenäen Strasse, wo die grosse Prozession zu Ehren der Göttin Athene entlang ging, und dann die Heilige Strasse, die zum Demeter-Heiligtum nach Eleusis (Mysterien-Kult!) führte.

Wenn Du hineingehst, lass zunächst das Museum links stehen und orientiere Dich über das gesamte Gelände entweder an Hand Deines Reise-Führers oder mit Hilfe einer Tafel, die auf einer Art Hügel kurz nach dem Museum steht. Wandre dann an der Mauer-Anlage entlang und bedenke,

Gräberstrasse
"Die Gräberstrasse"
dass sie im Altertum rund 8 m hoch war. Den Rest über die Geschichte dieser Gegend kannst Du auch Deinem Reise-Führer entnehmen. Ich hoffe nur, dass Du dies VORHER bereits getan hast! Zu den weniger beachteten Dingen (da ja nicht so prunkvoll) gehören die Cepen, kleine runde Säulen in Reih´ und Glied an der Museums-Mauer entlang. Sie sind die Gräber früherer Sklaven. Es ist interessant dort Namen zu finden mit dem Hinweis z.B. "aus Skythien"! Ja die Athener Demokratie war nunmal nur für einen Teil der Bürger da! Frauen, Metöken aus anderen Griechenland-Gegenden und erst recht Sklaven hatten daran keinen Anteil und sie waren immerhin rund zehnmal soviele wie die Vollbürger!

Alles, was mit dem antiken Totenkult zusammenhängt, wirst Du im Museum dort von der Nähe betrachten können, seien es nun Kinderspielzeuge in Kindergräbern oder Aufschriften auf Reliefs. Rührend finde ich die Aufschrift auf dem Grab einer Oma mit ihrem Enkelkind (Ampharete):

"Das Kind meiner Tochter habe ich hier, das Geliebte, wie es auch, als das strahlende Antlitz der Sonne wir lebend erblickten, auf meinen Knien ich hielt. Und nun halte das Tote, ich Tote."


Grab-Beigaben
"Antikes Kaffee-Service :-)"
Doch überhaupt, das Bild des schrecklichen Hades (Agamemnon: "lieber ein Bettler in der Welt, als ein König in der Unterwelt") der alten Griechen, hat nicht viel von seinem Grauen trotz Christianisierung verloren! Die Klageweiber wird man heute noch bei Begräbnissen finden, und die schwarzgekleidete Wittwe, die nie mehr diese Farbe ablegt, gehört nach wie vor zum Alltagsbild. Vielleicht sollte ich doch mal was über Reinkarnation meinen Athenern erzählen, so halt, als denkbare Möglichkeit!

INTERMEZZO:

Nichts desto weniger, haben die Griechen ein tief religiöses Empfinden, wenngleich, meiner Meinung nach, dasselbe an Äusserlichkeiten oft hängt. Während manche die Sonntags-Messe von etwa 7.00 bis nach 10.00 Uhr (!) grösstenteils stehend (und das auch in der Hitze des Sommers) verfolgen, gibt es auch sehr viele, die nach dem üblichen Satz "gehen wir eine Kerze anzünden" handeln, d.h. sie empfinden, dass das Anzünden einer Kerze (und kurz darauf das Verlassen der Kirche) durchaus zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten ausreicht! Auch die Segnung der Waffen gehört zu solchen Widersprüchen. Ebenso eine vermeintliche Solidarität zu den orthodoxen "Glaubensbrüdern" in Serbien seit Ausbruch der serbischen Aggression gegen Kroatien, Bosnien und in Kosovo! Ich fürchte der ökumenische Gedanke zwischen den christlichen Kirchen wird noch eine ganze Weile keine Chancen in Griechenland haben! Ganz besonders wenn ich die Sicherheits-Massnahmen und den offen ausgetragenen Fanatismus betrachte, die während des Papst-Besuches in Athen zu vernehmen waren.


Monastiraki
"Strasse in Monastiraki"
Du wirst so 2-3 Stunden im Kerameikos verbracht haben, und nun auf nach Monastiraki! Denselben Weg zurück bis zur grossen Kreuzung und dann etwas weiter geradeaus. Nach der Kreuzung kannst Du jede beliebige Querstrasse nach rechts biegen, Du bist im Monastiraki-Gebiet. Du wirst auch dort die Anhäufung gleicher Gewerbe an bestimmten Plätzen vorfinden. So ist eine ganze Strasse Stühlen und anderem Hausmobiliar vorbehalten, andere Strassen sind eher mit Metallwaren gesegnet, während manche Bereiche ein Paradies für den Freund alter Bücher sind (mein liebster Platz)! Beachte dabei: manche unscheinbare Keller-Treppe führt zu solch einem Paradies, wo Du u.U. Ausgaben von Goethe aus dem vorigen Jahrhundert finden könntest! Aber auch wenn Du billige Stiefel oder Jeans-Hosen, ein Schiffs-Steuerruder samt blitzblanker Kompass-Einheit aus Schiffen vergangener Zeiten, einen mächtigen Kronleuchter, oder eine gewaltige Posaune kaufen möchtest, es ist für jeden Geschmack etwas zu finden! Nimm Dir Zeit und erkunde auch alle Seitenstrassen; es lohnt sich! Freilich die Zeit geht schnell dadurch vorbei, aber es mangelt ja auch nicht an Kafeneia oder Klein-Tavernen, die ich ohne Weiteres empfehlen kann!

Café
"Café "Orea Ellas""
Du wirst feststellen, dass die meisten davon sehr gut von Einheimischen besucht werden, was ja ein gutes Zeichen ist. Bei einigen dieser Kafeneia oder Tavernen sitzt Du mit direktem Blick auf die Alte Agora und die Akropolis.

Wenn Du Dich hinreichend erholt hast, gehst Du weiter hinauf in Richtung Monastiraki Platz, wo auch die bereits erwähnte Pandrosou Str. einmündet. Es ist eine etwas gehobenere Gegend mit Souvenirs, Schmuck und Kunsthandwerks-Läden, aber auch feinere Restaurants. Traditionsreich ist das Café "Orea Ellas" (schönes Griechenland) mit Eingang in einer Stoa, die die Pandrosou mit der Mitropoleos Str. verbindet. Dort kannst Du Deinen Kaffee mit Blick auf die Akropolis geniessen. Danach kommst Du wieder zum Vorplatz der Mitropolis Kathedrale und zum Ausgangspunkt unserer Runde. Aber vorweg gesagt, rechts geht es zur Plaka, dem Altstadt-Viertel von Athen, und dort wollen wir den Abend verbringen!


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Meander

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